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Gastbeitrag des BDS für Fuldaer Zeitung vom 11. November 2010

Von Jürgen Büssow, Regierungspräsident a. D.

   
seit 2005 ehrenamtlicher Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Standesbeamtinnen und Standesbeamten e. V. (BDS) mit Sitz in Bad Salzschlirf.




Biografische Daten:

Geboren am 1. April 1946 in Bonn-Bad Godesberg,

Diplom-Pädagoge, Regierungspräsident a. D.
Mitglied des Landtages Nordrhein-Westfalen von
1975 bis 1995

Regierungspräsident in Düsseldorf
von 1995 bis 2010





Jürgen Büssow (Foto: BDS)

Standesbeamte: Dienstleister für Staat und Gesellschaft

Bad Salzschlirf kennt jeder in Deutschland – zumindest in den Standesämtern unserer Republik. Schließlich ist hier seit 1949 der Bundesverband der Deutschen Standesbeamtinnen und Standesbeamten e.V. (BDS) ansässig. Er bietet in der Akademie für Personenstandswesen eine umfassende Aus- und Fortbildung. Neben Wochenseminaren findet einmal jährlich eine Fachtagung mit Experten aus dem Personenstands- und Familienrecht statt.

Vom heutigen Donnerstag bis zum Samstag befasst man sich in Bad Salzschlirf mit außergerichtlichen Scheidungsverfahren im Ausland, mit alternativen Scheidungsmodellen für Deutschland und mit Fragen des Sorgerechtes für Väter nichtehelicher Kinder.

Denn auch solche Themen sind heute Alltag in unseren Standesämtern, aufgrund des tiefgreifenden Wandels unserer Gesellschaft mit hohen Auslandsbezügen. Aktuelles Beispiel ist Spanien, wo Papst Benedikt XVI. auf seiner Pilgerreise die vereinfachten Scheidungsregelungen kritisierte, die dort eingeführt worden sind.

Aus Anlass der Tagung beschreibt BDS-Präsident Jürgen Büssow die äußerst vielseitigen Aufgaben, die tagtäglich von den Standesbeamtinnen und Standesbeamten für die Bürger erbracht werden.

Von der Wiege bis zur Bahre …

Schöne Hochzeiten im Standesamt oder an besonderen Orten, z. B. im Stadtschloss von Fulda, auf dem Alsterdampfer in Hamburg oder auf Deutschlands höchstem Berg, der Zugspitze. Damit verbinden die Bürger landläufig die Arbeit der Standesbeamtinnen und Standesbeamten. Dabei sind deren Aufgaben wesentlich vielfältiger.

Von der Wiege bis zur Bahre - Formulare, Formulare ...! Dieser etwas abgegriffene Spruch kommt der Sache wesentlich näher, ist allerdings die zwangsläufige Folge wichtiger Dienstleistungen für Bürger, Wirtschaft, Staat und Gesellschaft.

665.126 Geburten, 378.439 Eheschließungen und 854.544 Sterbefälle gab es 2009 in Deutschland. Klassische Beurkundungsaufgaben für die Standesbeamten! Mit den Lebenspartnerschaften ist ihnen ein zusätzliches Arbeitsfeld zugewiesen worden.

Umfassende Aufgaben zu erfüllen

Daneben gab und gibt es eine Fülle von weiteren Tätigkeiten im Standesamt: Vaterschaftsanerkennungen und Vaterschaftsfeststellungen, Mutterschaftsanerkennungen, Namenserklärungen in und nach der Ehe, Namenserklärungen für Aussiedler, eingebürgerte Personen, Asylberechtigte und ausländische Flüchtlinge, Namensbestimmungen für Kinder, Kirchenaustritte, Scheidungen und Adoptionen werden beurkundet, Ehefähigkeitszeugnisse ausgestellt, Testamentsverzeichnisse geführt und vieles weitere mehr.

Die Standesbeamten sind unverzichtbare Dienstleister für Meldestellen, Staatsangehörigkeits- und Ausländerbehörden, Jugendämter, Notare, Familien- und Nachlassgerichte. Sie sind Informationsquelle für Privatpersonen, Ahnenforscher, Wissenschaftler, Erbenermittler, Gläubiger, Rentenversicherungsträger, Polizei, Justiz und zahlreiche weitere Behörden, auch für Konsulate und Botschaften. Selbstverständlich nur im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben. 

Bürger aus 100 und mehr Nationen

Bürger aus 100 und mehr Nationen sind in den Standesämtern zu bedienen, zivile, religiöse und Stammesrechte fremder Staaten bei den Beurkundungen zu beachten. Die hohe Zahl der Menschen mit sogenanntem Migrationshintergrund erfordert heute selbst in den kleinsten Standesämtern umfassende Kenntnisse des ausländischen Familienrechts und verwandter Rechtsgebiete.

Den Standesbeamten ist nichts Menschliches fremd: Scheinehen, Scheinvaterschaften, rechtliche und tatsächliche Väter, falsche Identitäten, gefälschte Urkunden, exotische Vornamen, die eher zur Bestätigung der Eltern und weniger dem Wohle ihrer Kinder dienen.
Natürlich gibt es täglich auch viel Erfreuliches zu erleben: fröhliche Brautpaare, glückliche Eltern, zufriedene Kunden. All dies ist Alltag im Standesamt.

Seit 1876 sind die Standesbeamten in den Gemeinden für den Staat und die Bürger in Deutschland tätig. Federkiel und Schreibmaschine haben längst ausgedient. PC und neueste Software sind selbstverständliches Arbeitsmittel.

Die am 1. Januar 2009 in Kraft getretene Personenstandsreform bringt bis spätestens Ende 2013 die dauerhafte elektronische Speicherung der Personenstandsdaten in den deutschen Standesämtern. Hessen war Vorreiter: hier ist das Projekt in den meisten Gemeinden bereits umgesetzt worden.

Fachlich unabhängige Urkundsbeamte

Traditionsbewusstsein und Moderne zeichnen die Standesbeamten aus. Als fachlich unabhängige Urkundsbeamte unterliegen sie nur der Weisung der Gerichte.

Umso bedeutsamer ist eine qualifizierte Aus- und Weiterbildung. Unsere Akademie für Personenstandswesen in Bad Salzschlirf leistet dazu seit sechs Jahrzehnten einen wichtigen Beitrag. Standesbeamte aus allen Bundesländern bekommen hier das fachliche Rüstzeug, um im beruflichen Alltag bestehen zu können. Über 100 Seminare werden allein in diesem Jahr durchgeführt.

Die heute beginnende Fachtagung mit rund 100 Teilnehmern aus dem In- und Ausland ergänzt unser breites Fortbildungsangebot. Bad Salzschlirf ist dadurch zu einem Markenzeichen im öffentlichen Dienst in Deutschland geworden. Der Bundesverband ist stolz darauf und auch deswegen sehr gerne hier ansässig.

Jürgen Büssow

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