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Kirchliche Hochzeit und standesamtliche Eheschließung

   

Seit 1. Januar 2009 ist der Vorrang der standesamtlichen Eheschließung weggefallen, den diese seit 1876 durch das „Reichsgesetz über die Beurkundung des Personenstandes und die Eheschließung“ vor der kirchlichen Hochzeit eingeräumt bekommen hatte.

In der Praxis zeigt dies offenbar noch keine besonderen Auswirkungen. Wohl auch deshalb, weil die großen christlichen Kirchen in Deutschland nach wie vor Wert darauf legen, dass zuerst eine standesamtliche Eheschließung erfolgt.

Die Frage ist aber, wie die anderen in Deutschland verbreiteten Religionsgemeinschaften diesem Beispiel folgen werden. Genaueres wissen die Standesbeamtinnen und Standesbeamten nicht. Schließlich werden solche persönlichen Dinge im Standesamt ja nicht „abgefragt“.

Aus Niedersachsen berichten die Kollegen von einer Besonderheit hinsichtlich der yezidischen Glaubensgemeinschaft. Erfahrungsgemäß erfolge hier zuerst die Hochzeit nach religiösem Ritus, bevor die Paare sich, oft Jahre später, um die standesamtliche Eheschließung bemühen würden.

Ein kleiner Rundgang durch das Bundesgebiet

Welche Bedeutung haben heute überhaupt die kirchliche Hochzeit und die standesamtliche Eheschließung für die Brautpaare? Wir haben uns bei einigen Fachverbänden der Standesbeamten umgehört. Beginnen wir die kleine Rundreise durch Deutschland im Südwesten.

In Rheinland-Pfalz ist, so wird berichtet, die Bedeutung der kirchlichen Eheschließung nach wie vor gegeben. Im Großraum Trier, in der Eifel und im Hunsrück ist die kirchliche Trauung wohl noch immer die „hauptsächliche“ Hochzeit. Auch im Rheinhessischen folgt wohl in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle der standesamtlichen Verbindung der kirchliche Segen. In diesen Regionen sind die Unterschiede zwischen Stadt und Land relativ gering.

Das Saarland ist in weiten Teilen noch sehr ländlich geprägt und so hat auch die kirchliche Trauung bei den Brautpaaren noch eine relativ große Bedeutung. Genaue Zahlen liegen den Standesbeamten nicht vor. Man schätzt, dass in Saarbrücken circa 50 Prozent der Paare, die noch kirchlich heiraten dürfen, sich auch kirchlich trauen lassen. In den übrigen Gemeinden dürften es sogar zwischen 70 und 80 Prozent sein. Es gibt also schon Unterschiede zwischen den Städten und dem flachen Land. Das Saarland hat nicht so viele große Städte, aber trotzdem gibt es auch hier ein „Stadt-Land-Gefälle“.

In Hessen hat, so heißt es, die kirchliche Trauung sicherlich nach wie vor Ihren besonderen Platz in der Gesellschaft. Man bemerkt hier aber, dass durch die in den letzten Jahren von den Kunden (den Heiratswilligen) mehr und mehr gewünschten standesamtlichen „Eventtrauungen“ in verstärktem Maße von einer zusätzlichen kirchlichen Hochzeit abgesehen wird.

Aus Westfalen-Lippe wird berichtet, dass die Zahl der kirchlichen Eheschließungen rückläufig ist (ebenso wie bei den standesamtlichen Trauungen in Deutschland). Diese Tendenz gilt hier aber nicht unbedingt für das „flache Land“. So teilt eine Standesbeamtin aus einem kleinen Ort mit, dass dort immerhin circa 60 Prozent der Brautpaare anschließend kirchlich heiraten.

Schauen wir nach Norden. Im Bundesland Bremen (Hansestadt Bremen und Bremerhaven) werden keine entsprechenden Statistiken geführt. „Gefühlt“ nimmt die Anzahl der kirchlichen Trauungen ab. Wenn überhaupt kirchlich geheiratet wird, sind es meistens "junge" Brautleute (bis 40 Jahre), die das erste Mal heiraten. Es kommt bei diesen Paaren manchmal vor, dass bei der standesamtlichen Trauung ganz bewusst auf den Ringwechsel verzichtet wird, um diesen bei der kirchlichen Trauung zu vollziehen. Für den Personenkreis der Aussiedler scheint die kirchliche Trauung einen hohen Stellenwert zu haben, heißt es.

Ganz oben, in Schleswig-Holstein, stellt man folgendes fest: Über die Bedeutung einer kirchlichen Trauung gibt es keine gesonderten Zahlen. Es kann jedoch gesagt werden, dass diejenigen, die die Religionszugehörigkeit in die Urkunden eingetragen haben wollen, in der Regel auch kirchlich heiraten - und das sind etwa die Hälfte aller Eheschließungen. Weitere Aussagen würden einer reinen Spekulation entspringen....

Gehen wir hinüber ins angrenzende Mecklenburg-Vorpommern. Nach dortiger Schätzung heiraten rund 20 Prozent der Brautpaare auch kirchlich. Große regionale Unterschiede oder Unterschiede zwischen Städten und dem „flachen Land“ gebe es nicht.

In Brandenburg haben die Standesbeamten konkrete Zahlen vorliegen. 11.430 standesamtliche Eheschließungen wurden 2008 in diesem Bundesland vollzogen. 2.152 Paare schlossen anschließend in der evangelischen Kirche den Bund fürs Leben (19 Prozent), 72 Paare ließen sich katholisch trauen (0,6 Prozent). Brandenburg ist evangelisch geprägt. Der Anteil der Katholiken liegt dort bei nur 3 Prozent. In den ländlichen Gebieten ist der Anteil der kirchlichen Eheschließung höher als in den Großstädten. Insgesamt gesehen spielt die kirchliche Trauung für die meisten Brautpaare des Landes eher eine untergeordnete Rolle.

In Thüringen ist die kirchliche Trauung nur gebietsweise von größerer Bedeutung - zum Beispiel im katholisch geprägten Eichsfeld.

Abschließend noch zwei Beispiele aus Bayern.

In Coburg, ganz oben nahe Thüringen, gibt es zwar keine statistischen Zahlen. Der Anteil der kirchlichen Trauungen dürfte aber unter dem Landesdurchschnitt liegen, schätzt man. Da Coburg Lutherstadt ist und bis 1920 Teil des ernestinisch-wettinischen Herrschaftsbereiches war (Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha), ticken hier die Uhren ohnehin anders als im Rest des mehrheitlich katholischen Freistaats, heißt es mitunter.

Aus Altötting, dem Herzen des katholischen Bayern, berichtet der dortige Standesbeamte: „Der Standesamtsbezirk umfasst nicht nur die Stadt, sondern auch die meisten angrenzenden kreisangehörigen Gemeinden mit zusammen 27.000 Einwohnern. Im Schnitt haben wir im Jahr circa 150 Trauungen, die mehrheitlich im Standesamt Altötting durchgeführt werden. Etwa 20 Prozent der Verlobten sind Auswärtige, die im Anschluss an die standesamtliche Trauung eine kirchliche Trauung in einer der acht in Altötting vorhandenen Kirchen planen. Insgesamt kann man davon ausgehen, dass etwa 60 bis 70 Prozent der Brautpaare, die im Standesamt Altötting die Ehe schließen, sich auch kirchlich trauen lassen wollen.“

Eine Bemerkung zum Schluss:

Dies sind keine repräsentativen Zahlen, sondern weitgehend Schätzungen und Eindrücke aus dem beruflichen Umfeld oder dem privaten Bereich. Denn die Standesbeamtinnen und Standesbeamten fragen vor oder bei der zivilrechtlichen Trauung nicht nach, ob auch kirchlich geheiratet wird. Aber natürlich berichten ihnen die Brautpaare des öfteren über deren weitere Pläne, gerade dann, wenn sich bei der Vorbereitung der Eheschließung ein gutes beidseitiges Verhältnis ergeben hat.

Zahlen vom Statistischen Bundesamt zum Schluss:

534.903 standesamtliche Eheschließungen im Jahr 1988 (BRD und DDR)
377.055 standesamtliche Eheschließungen im Jahr 2008 (Deutschland)

191.948 gerichtliche Ehescheidungen im Jahr 2008 (Deutschland)

Durchschnittliches Heiratsalter von Ledigen in Deutschland im Jahr 2008
Männer: 33,0 Jahre, Frauen: 30,0 Jahre

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