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Archiv > Verbandsaktivitäten und Medien > 2006
   
 

Die Standesbeamtinnen und Standesbeamten in Deutschland

   
1.   Stellung in der öffentlichen Verwaltung:

Unabhängig, keinen fachlichen Weisungen von Vorgesetzten unterworfen, seit 1876, der Einführung der zivilrechtlichen Standesämter im gesamten damaligen Deutschen Reich.
Auch der Leiter eines Standesamtes oder die Aufsichtsbehörde können die Standesbeamten nicht in einem konkreten Einzelfall anweisen; dies kann nur der Personenstandsrichter am Amtsgericht bzw. die weiteren Gerichtsinstanzen: Landgericht, Oberste Landesgerichte, BGH, BVerfG.
Die Standesbeamten sind somit fachlich unabhängig.
Die Eigenverantwortlichkeit der Standesbeamten ist dadurch von Gesetzes wegen gestärkt.
Die Eigenständigkeit der Standesbeamten wäre ein Vorbild für die sogenannte „schlanke Verwaltung“ bzw. den Abbau von Verwaltungsebenen und die Verlagerung von Entscheidungen nach unten.
Der Status der Standesbeamten könnte Vorbild sein für den Umbau der Verwaltung.

2.   Bedeutung für Gesellschaft und Volkswirtschaft:

  Die Arbeit der Standesbeamten ist ein wesentlicher Beitrag für das Funktionieren der Gesellschaft, der Volkswirtschaft bzw. von Verwaltung und Wirtschaft.
Immer stärkere Verzahnung mit dem Ausland, besonders innerhalb der Europäischen Union, aber auch mit dem sonstigen Europa und letztlich mit allen Staaten der Welt. 
Die Gründe: wirtschaftliche Verflechtungen, politische und wirtschaftliche Notlagen (Bürgerkriegsflüchtlinge, Asylbewerber, Aussiedler). 
In vielen Großstädten sind beim Standesamt jährlich bis zu 100 und mehr Nationen zu verzeichnen, deren Angehörige dort heiraten oder Kinder bekommen.  

3.   Technisch auf neuestem Stand: 

  Durchweg ist in den deutschen Standesämtern neueste EDV-Technik im Einsatz, mit maßgeschneidertem Programm zur Verarbeitung der Personenstandsfälle.
Augsburg war z. B. hier Vorreiter im Bundesgebiet:. So arbeitete dieses Standesamt bereits 1983 als erste Stadt mit Textautomaten - ab 1990 mit Personal Computern.
Urkundenbestellungen werden heute nicht nur persönlich, per Telefon oder Post, sondern auch per Telefax, Internet oder E-Mail angeboten.

 

4.   Standesbeamte erfüllen umfassende Aufgaben:  Klassische Aufgaben der Standesbeamten sind

  die Beurkundung von Geburten,
die Prüfung der Ehevoraussetzungen,
die Durchführung und Beurkundung von Eheschließungen,
die Beurkundung von Sterbefällen und
die Beurkundung von Familienbüchern für Deutsche bzw. gleichgestellte Personen nach Eheschließung im In-   und Ausland,
dazu nun die Beurkundung von Lebenspartnerschaften (in der Mehrheit der Bundesländer).

 
5. Daneben gibt es zur Fortführung der Personenstandsbücher nach Geburt, Eheschließung und Tod eine Fülle weiterer Tätigkeiten, so

 

die Beurkundung von Vaterschaftsanerkenntnissen und Mutterschaftsanerkenntnissen bzw. von gerichtlichen Feststellungen der Vaterschaft,
die Beurkundung von gerichtlichen Feststellungen zum Personenstand von Kindern,
die Beurkundung von Namenserteilungen,
die Beurkundung der Eheschließung der leiblichen Eltern bzw. die Beurkundung von so genannten Legitimanerkennungen (z. B. nach islamischen Rechtsordnungen),
die Beurkundung von inländischen und ausländischen Adoptionen,
die Beurkundung von persönlichen Namenserklärungen während bestehender Ehe oder nach Auflösung einer Ehe,
die Beurkundung von behördlichen Namensänderungen,
die Beurkundung von Namenserklärungen von Aussiedlern,
die Beurkundung von Kriegssterbefällen,
die Beurkundung von Scheidung oder Aufhebung einer Ehe
und schließlich eine ganze Fülle von Folgebeurkundungen im Familienbuch.

6.   Weitere Tätigkeiten sind

  die Prüfung der Namensführung nach Eheschließung oder Scheidung im Ausland mit eventueller Auswirkung auf den Familiennamen von Kindern und eventuell nötige Folgebeurkundungen,
die Beurkundung von eidesstattlichen Versicherungen,
die Bearbeitung von Anträgen auf nachträgliche Beurkundung der Geburten, Eheschließungen oder Sterbefälle von Deutschen oder gleichgestellten Personen im Ausland und Weiterleitung an das zuständige Standesamt I in Berlin (zur dortigen Geburts- und Sterbebeurkundung) oder zur Anlegung eines Familienbuches,
die Bearbeitung von Anträgen zur Prüfung bzw. Anerkennung ausländischer Entscheidungen in Ehesachen (Scheidung oder Aufhebung der Ehe) und Weiterleitung an die zuständige Verwaltungsbehörde oder an das Oberlandesgericht,
die Bearbeitung von Anträgen für ausländische Staatsangehörige auf Befreiung von der Vorlage des Ehefähigkeitszeugnisses für Eheschließungen in Deutschland und Weiterleitung an das Oberlandesgericht,
die Ausstellung von Ehefähigkeitszeugnissen für Deutsche oder gleichgestellte Personen  zu einer Eheschließung im Ausland,
die Eintragung von Todeserklärungen,
die Einholung von Zustimmungen der gesetzlichen Vertreter zu Vaterschafts- oder Mutterschaftsanerkennungen.

7.   Daneben erledigen die Standesbeamtinnen und Standesbeamten zusammen mit den weiteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Standesamt noch eine Fülle wichtiger Tätigkeiten wie

  die Beurkundung von Kirchenaustritten (nicht in allen Bundesländern),
die Führung der Testamentskartei,
die Ausstellung von Personenstandsurkunden und Bescheinigungen aller Art aus den Personenstandsbüchern (Geburtsschein, Geburtsurkunde, Abstammungsurkunde, Heiratsurkunde, Sterbeurkunde, beglaubigte Abschriften aus dem Familienbuch, dem Geburten-, Heirats- und Sterbebuch, internationale Geburts-, Heirats- und Sterbeurkunden),
Auskünfte aus den Personenstandsbüchern (z. B. zur Geburtszeit oder zur Ahnenforschung),
Beglaubigungen in Personenstandssachen,
die Vornahme von Nottrauungen bei lebensbedrohlicher Erkrankung.

8.   Aktuelle Probleme:

  Ständige Neuregelungen, Anpassungen, Änderungen.
Korrektur früherer Entscheidungen, Beschlüsse und Gesetze. Keine Kontinuität, u.a. Zeichen des Wandels in unserer Gesellschaft, der gesellschaftlichen Anschauungen und der zunehmenden internationalen Verflechtung.
Die Standesbeamten müssen deshalb das frühere und heutige formelle und materielle deutsche Ehe-, Familien- und Namensrecht kennen, ferner das Lebenspartnerschaftsrecht, das Ausländer- und Staatsangehörigkeitsrecht, das Beurkundungs- und Beglaubigungsrecht oder die Kirchenaustrittsvorschriften; schließlich die Meinung der wichtigsten Kommentatoren und die Beschlüsse der obersten Gerichte - nicht zuletzt die früheren und heutigen formellen und materiellen Heimatrechte aller Staaten, deren Angehörige die Dienste der Standesbeamten benötigen

9.   Entscheidend für Image der Verwaltung:

  Die Standesbeamten leisten mit ihrer Arbeit einen wichtigen Beitrag zum positiven Erscheinungsbild der Verwaltung und ihrer jeweiligen Gemeinde oder Stadt.

10. Umfassende Aus- und Fortbildung der Standesbeamten:

  Für die Standesbeamten in Deutschland gibt es regelmäßig intensive Aus- und Fortbildungsangebote bzw. gesetzliche Verpflichtungen, diese zu besuchen.
Abgehalten werden beispielsweise regelmäßige Frühjahrs- und Herbstschulungen, wo die aktuellen Themen besprochen werden.
Die Akademie für Personenstandswesen in Bad Salzschlirf bietet ein umfassendes Angebot für die Aus- und Fortbildung der deutschen Standesbeamtinnen und Standesbeamten.
Auf Landesebene gibt es weitere Fortbildungsveranstaltungen,  z. B. weithin beachtete Fachtagungen der Landesverbände der Standesbeamtinnen und Standesbeamten.
Zur Standesbeamtin bzw. zum Standesbeamten soll in der Regel erst ernannt werden, wer einen zweiwöchigen Ausbildungslehrgang besucht hat, mindestens 3 Monate im Standesamt gearbeitet hat und in kreisfreien Städten grundsätzlich dem gehobenen Verwaltungsdienst angehört.
Die Aus- und Fortbildung wird dabei nicht von oben, sprich von den Ministerien vorgegeben, sondern von den Landesverbänden bzw. dem Bundesverband der Standesbeamtinnen und Standesbeamten selbst organisiert und durchgeführt.
Dies dürfte wohl einmalig in der öffentlichen Verwaltung im Bundesgebiet sein.

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